Sicherheit des Verlegens von VLBW-Frühgeborenen aus dem Inkubator ins Wärmebett bei einem aktuellen Gewicht von 1500g bis 1600g

Hintergrund:

VLBW-Frühgeborene werden aufgrund der negativen Auswirkungen einer Hypothermie direkt postnatal im Inkubator versorgt. Es liegen keine Daten vor, welches das günstigste Gewicht ist, bei dem man die Kinder aus dem Inkubator in ein Wärmebett legen kann.

Methodik:

Prospektive Studie von 42 VLBW-Frühgeborenen im Zeitraum von November 2011 bis September 2014. Verlegung vom Inkubator in ein Wärmebett (initiale Temperatureinstellung 37°C) bei einem aktuellen Gewicht zwischen 1490 g und 1650 g. In der Studiengruppe waren 8 Kinder mit noch vorhandener Atemunterstützung (davon 2 mit O2-Bedarf). Ausschlusskriterien waren invasive Beatmung oder O2-Bedarf > 25%. Für 72h nach der Umbettung wurden Vitalzeichen und die Körpertemperatur über zwei Temperatursonden (Sternum, Axilla) und rektal erfasst, sowie das Trinkverhalten vor und nach der Umbettung und die Gewichtsentwicklung analysiert. Die Gesamtliegedauer, der Zeitpunkt bis zur voll oralen Ernährung ohne Magensonde und der Zeitpunkt, ab dem die Kinder keinen zusätzlichen Wärmebedarf mehr benötigten, wurden mit einer historischen Gruppe von 42 VLBW-Frühgeborenen aus den Jahren 2011/2012 verglichen. Diese Kinder wurden bei einem höheren mittleren Gewicht in ein Wärmebett umgebettet. Die Gruppen unterschieden sich nicht signifikant bezüglich Geburtsgewicht und Gestationsalter.

Ergebnisse:

Ein Kind zeigte eine Hypothermie (< 36,5°C rektal), sodass das Wärmebett auf 38°C erhöht wurde. Es erfolgte kein Transfer zurück in den Inkubator.

Gewichtsentwicklung 48 Stunden vor zu 48 Stunden nach Umbettung  so zeigt sich keine signifikante Änderung der täglichen Zunahme des Körpergewichts durch die Umbettung. Bei einem Kind kam es zur Gewichtsabnahme, bei vier Kindern stagnierte das Gewicht. In der hist. Vergleichsgruppe kam es nur in einem Fall zur Gewichtsabnahme bei jedoch insgesamt nicht signifikant besserer Gewichtszunahme. Auch in der weiteren Gewichtsentwicklung, das heißt zum Zeitpunkt 36 + 0 Schwangerschaftswochen, zur Entlassung und am errechneten Termin ändert sich die Gewichtsentwicklung im Vergleich zur hist. Vergleichsgruppe nicht.

Keine signifikante Häufung von Apnoen, Bradykardien und Sauerstoffsättigungsabfällen während der Testphase.

Der Zeitpunkt des Absetzens der Coffeingabe änderte sich nicht signifikant.

Das Körpergewicht und die korrigierte Schwangerschaftswoche bei Umbettung in ein normales Bett sind in der RADI-Gruppe signifikant niedriger. Es zeigt sich eine signifikante Zunahme der selbstständigen Trinkmenge am Tag nach der Umbettung bei insgesamt gleicher Gesamtzeit bis zur Sondenentwöhnung. Die korrigierte Schwangerschaftswoche bei Entlassung und die Dauer des stationären Aufenthaltes änderten sich nicht.

In der BGA am Tag nach Umbettung zeigten sich keine Hypoglykämien oder Azidosen.

Elternfragebogen: Beide Elternteile machten sich Sorgen um die neue Schlafumgebung ihres Kindes. Ein Inkubator gibt das Gefühl einer sicheren Umgebung, sodass es leicht nachvollziehbar ist, dass die Eltern zumindest vor der Verlegung das Gefühl hatten, dass ihr Kind dort besser aufgehoben sei. Sicher in der Versorgung fühlen sich die Eltern, als das Kind im Wärmebett lag. An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass der Teil der Betreuung ihres Kindes, an dem die Eltern aktiv mitwirken können, sicherlich die Versorgung des Kindes wie z.B. Wickeln ist. Hierbei werden die Eltern möglichst frühzeitig angeleitet. An dieser Stelle eine starke Unsicherheit zu äußern, würde zum einen nicht für die Anleitung sprechen, zum anderen die Eltern auch sehr aus ihrer Position als kompetente Verantwortliche für das Kind drängen. Ganz klar äußern sich die Elternteile dazu, dass sich die Beziehung zu ihrem Kind verbessert hat, seitdem es im Wärmebett liegt. Dies ist ein sehr subjektives Empfinden, welches sich sicherlich auf eine Summe an Einflussfaktoren, wie z.B. geringere Barriere, gesünderes Kind, oft Verlegung von Intensivstation auf Normalstation „der erste Schritt nach Hause“, zurückführen lässt. Auch wenn die  Rücklaufquote zu klein ist, um von signifikanten Veränderungen zu sprechen, zeigt es aber eine Tendenz des Empfindens.

Schlussfolgerung:

Ein Verlegen von Frühgeboren mit einem Geburtsgewicht von unter 1500g vom Inkubator in ein Wärmebett bei einem aktuellen Gewicht von 1500g bis 1650g ist sicher und hat keine negativen Folgen für das jeweilige Kind. 

 

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